We can be heros for just one day

Mein Sturz an Tag fünf war auch wieder so ein Camino Hokuspokus. Es war bisher mein härtester Tag. Ich war so kaputt, dass ich ein Stück mit dem Bus fahren wollte. Die Verbindung war so schlecht, dass erst abends wieder ein Bus gefahren wäre. Also bin ich weitergelaufen. Es blieb mir nichts übrig.

Der Weg war sehr bergig, es war warm und ich hatte einfach keine Kraft mehr. Ich bin einen steinigen und sandigen Weg steil abwärts gelaufen und habe mich wohl kurz nicht konzentriert. Bei Kilometer 20,8 bin ich ausgerutscht. Ich bin auf die Hand, den Ellbogen und die Hüfte gefallen. Der Rucksack hat mich aufgefangen. Sein Gewicht hat mich nach hinten geworfen und so lag ich kafkaesk auf dem Rücken. Der Pilgermaikäfer im Staub. Ich wäre am liebsten liegen geblieben. Irgendwann wäre jemand vorbeigekommen und hätte mich zugedeckt. Keinen Schritt mehr laufen müssen.

Von oben kam ein junger Pilger den Berg herunter. Er hat nicht gefragt, ob ich Hilfe brauche und mir nicht aufgeholfen. Also habe ich mich aufgerappelt, meine Brille im Sand gesucht, die glücklicherweise nicht kaputt war.

Ich laufe weiter zur Ponte Eiffel. Mein Blick fällt auf eine für den Jakobsweg typische Ansammlung von Memorabilien. Meist sind es Steine. Im Mittelalter wurden Verbrecher zu einer Wallfahrt zum Grab des Apostels Jakobus nach Santiago verurteilt. Je nach Schwere der Tat, trug ihnen der Richter auf, einen Stein mitzutragen, als zusätzliche Buße.

Heute bringt der Pilger einen Stein aus seiner Heimat mit, legt ihn ab und damit die Sorgen und Last, die er auf den Camino mitbringt.

Ich sehe nur diesen einen Stein, der unscheinbar am Rand liegt.

We can be Heros just for one day, steht da auf einem Stein geschrieben, auf den mein Blick fällt. Ist das ein Zufall?

Dieser Stein füttert mich, gibt mir Kraft. Ja, ich bin für heute eine Heldin. Ich falle, stehe auf und laufe weiter bis ich in meinem Hotel bin. Ich gehe Schritt für Schritt und singe „I am a Hero for today“. Am Ende bin ich 24 Kilometer gelaufen.

Der Camino gibt dir nicht das was du willst, sondern das, was du brauchst.

Unbekannter Pilger

Der Camino hat wieder zu mir gesprochen.

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